Der Sprung vom Amateurfußball in den Profibereich ist riesig und regeltechnisch nicht ganz unkompliziert. Daher lohnt es sich, einen Blick auf das Aufstiegssystem zu werfen. Die Regionalliga ist in fünf Staffeln eingeteilt. Von den jeweiligen Meistern steigen letztendlich allerdings nur vier Mannschaften in die dritthöchste deutsche Spielklasse auf: Die Meister der Regionalliga West und Südwest jeweils direkt. Ein jährlich rotierendes System legt zusätzlich den dritten direkten Aufsteiger aus den Ligen Nord, Nordost und Bayern fest. In der Saison 2023/24 steigt der Meister der Regionalliga Nordost direkt auf.

Daraus resultiert, dass es nach Ablauf der regulären Spielzeit ein Playoff-Duell zwischen den Tabellenersten der Staffel Nord und Bayern geben wird, um den vierten Aufstiegsplatz auszuspielen.

Rückblick

In der Saison 2021/22 stand der TSV Havelse (Regionalliga Nord) dem 1. FC Schweinfurt 05 (Bayern) gegenüber. Nach Hin- und Rückspiel setzten sich die Niedersachsen durch. In der darauffolgenden Saison duellierten sich der VfB Oldenburg (Nord) und der BFC Dynamo (Nordost). Nach zwei Partien setzte sich der VfB gegen die Berliner durch. Letzte Spielzeit konnte die SpVgg Unterhaching (Bayern) beide Relegationsduelle gegen Energie Cottbus (Nordost) gewinnen und somit in die dritte Liga aufsteigen.

Regionalliga Bayern

Welche Mannschaft der Staffeln Bayern hat dieses Mal die besten Karten Meister  zu werden und sich anschließend im Play-off durchzusetzen? 

Würzburger Kickers: Nach 10 Spielen ungeschlagen

In der Regionalliga Bayern zählen die Würzburger Kickers zu den größten Meisterschaftsfavoriten. Nachdem die Unterfranken letzte Saison als Tabellenzweiter hinter der SpVgg Unterhaching nur knapp die Meisterschaft verpassten, gilt auch in dieser Spielzeit der Aufstieg als klares Ziel. Der Verein konnte seinen Kader größtenteils zusammenhalten. Dieser verfügt über viel Erfahrung sowie über eine enorme Tiefe. In der neuen Saison hat die Mannschaft um Trainer Marco Wildersinn nach 10 Spielen bereits 24 Punkte auf dem Konto und steht damit als einziges ungeschlagenes Team an der Tabellenspitze. Auswärts konnten die Würzburger bisher jedes Spiel für sich entscheiden. Die Heimspielstätte am Dallenberg weist außerdem den höchsten Zuschauerschnitt der gesamten Liga auf (durchschnittlich 2.600 Fans). In den bisherigen Partien konnte Mittelfeldmotor Dardan Karimani mit fünf Treffern bereits auf sich aufmerksam machen. Auch Star-Stürmer Saliou Sané überzeugte bereits mit vier Toren.

Die Kickers sind insgesamt der größte Aufstiegsfavorit der Regionalliga Bayern, wenn sie ihre Auswärtsstärke auch auf die Heimspiele übertragen können.

FC Bayern München II: Viel Talent, wenig Erfahrung

Wie jede Regionalliga-Spielzeit müssen auch dieses Mal den Bayern-Amateuren wieder realistische Aufstiegschancen eingeräumt werden. In der vergangenen Runde reihten sich die Bayern auf Rang 3 der Tabelle hinter Meister Unterhaching und Vizemeister Würzburg ein. Wie für eine Reservemannschaft üblich, verließen nach der Saison viele wichtige Spieler den Verein. Trotzdem steht Trainer Holger Seitz ein junger talentierter Kader zur Verfügung. Die aktuelle Spielzeit begann für die zweite Mannschaft des deutschen Rekordmeisters mit Startschwierigkeiten, weshalb sie sich nach 9 Spieltagen nur auf dem 11. Tabellenplatz wiederfindet. Die Anpassungsprobleme scheint die Mannschaft nun mehr und mehr zu überwinden: In den letzten beiden Begegnungen ging man als Sieger vom Platz. Offensiv können vor allem Neuzugang Dion Berisha (gekommen vom FC Augsburg II) und Eigengewächs Lucas Copado mit jeweils vier Treffern brillieren.

Zeigt die Formkurve weiterhin nach oben, können die jungen Bayern sicherlich bis zum Ende um den Aufstieg mitspielen.

SpVgg Bayreuth: Erfahrung mit Offensivproblemen

Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig Marek Mintal steht seit Beginn dieser Spielzeit an der Seitenlinie der SpVgg Bayreuth. Nach einem enttäuschenden Jahr in der 3. Liga will der Absteiger wieder direkt oben angreifen. Der große Kaderumbruch machte sich am Anfang der neuen Spielzeit bemerkbar. In 10 Spielen konnte man nur 15 Zähler sammeln und steht damit lediglich auf Tabellenplatz 7. Wie bei den Bayern zeigt aber auch bei den Oberfranken die Formkurve nach oben. In den letzten 6 Partien gingen die Oberfranken nur einmal als Verlierer vom Platz. Der Kader scheint einen guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern zu haben. Jann George, welcher 123 Partien in der 2. Bundesliga in seiner Vita vorweisen kann, ist mit drei Toren der treffsicherste Spieler der Mannschaft. 

Um bis zum Schluss im Aufstiegsrennen mitzuwirken, muss der Findungsprozess des Teams weiter voranschreiten. Zusätzlich muss Mintal seine lahmende Offensive (14 Tore aus 10 Spielen)  in Schwung bringen. 

Mitfavoriten

Neben den Würzburger Kickers, dem FC Bayern München II und der SpVgg Bayreuth zählt auch der 1. FC Schweinfurt 05 zu den Aufstiegsaspiranten. Nachdem die Unterfranken 2022 in den Playoffs an Havelse scheiterten, sollte es diesmal mit dem Aufstieg klappen. In der Tabelle steht das Team um Top-Stürmer Severo Sturm (9 Tore in 10 Spielen) nach 10 Spieltagen auf dem 6. Tabellenplatz.

Nach einem starken Saisonstart können auch DJK Vilzing und der TSV Aubstadt in den erweiterten Favoritenkreis eingegliedert werden. Beide riefen vor der Saison den Klassenerhalt als primäres Ziel aus. Doch Tabellenplatz 2 und 3 lassen beide vom Aufstieg träumen.

Regionalliga Nord

Eintracht Norderstedt, FC Teutonia 05 Ottensen, VfB Oldenburg – diese Vereine wurden zu Saisonbeginn hoch gehandelt bei der Frage um Tabellenplatz 1 in der Regionalliga Nord. Doch nach dem 7. Spieltag sieht die Realität anders aus…

Holstein Kiel II: Zuhause ungeschlagen 

Während die Zuschauer im Holstein-Stadion jedes zweite Wochenende Zweitliga-Fußball zu sehen bekommen, kickt drei Kilometer weiter im Citti Fußball Park die zweite Mannschaft von Holstein Kiel. Mit 18 Punkten nach 7 Spieltagen liegen die Störche aktuell auf Tabellenplatz 2 der Regionalliga Nord – einen Punkt hinter dem Mitstreiter Phönix Lübeck, der jedoch bereits ein Spiel mehr absolvierte. Der Saisonstart lief für den KSV-Nachwuchs ziemlich erfolgreich: Nach 5 Siegen mussten die Störche ihre erste Saison-Niederlage bei Drochtersen-Assel hinnehmen, sind aber nach dem jüngsten 2:1-Erfolg gegen Spelle-Venhaus zurück in der Erfolgsspur. Das Team von Trainer Sebastian Gunkel ist zuhause ungeschlagen. Einer brilliert auf dem Platz besonders: Linksaußen Stanislav Fehler, der in 7 Partien starke 7 Tore erzielte. Damit steht er aktuell auf Platz 1 der Torjägerliste der Regionalliga Nord. Dass Holstein Kiel II bei einem möglichen Aufstiegsszenario im Frühjahr 2024 den Schritt in die 3. Liga tatsächlich wagen sollte, scheint unwahrscheinlich. Bereits 2022 verzichtete Kiel als Meister der Regionalliga Nord darauf, eine Lizenz für die 3. Liga zu beantragen. Damals spielten sportliche, wirtschaftliche und organisatorische Gründe eine entscheidende Rolle. Die Regionalliga galt laut den Verantwortlichen als ideale Liga für die Ausbildung der Störche-Talente. Was jedoch im Falle eines Aufstiegs der Profimannschaft von Holstein Kiel von der 2. in die 1. Liga mit der Regionalligamannschaft passiert, bleibt abzuwarten.

TuS Blau-Weiß Lohne: Hinten Hui, vorne Pfui

Mit dem Ziel “Klassenerhalt” ist der TuS Blau-Weiß Lohne in seine zweite Spielzeit in der Regionalliga Nord gestartet. Beim Blick auf die Tabelle nach den ersten 7 Spieltagen wird sich der ein oder andere wohl verwundert die Augen reiben: Dort befindet sich das Team von Uwe Möhrle auf Platz 3. Dass der Verein nach Tabellenplatz 9 in der vergangenen Saison aktuell so auftrumpft, ist der besten Defensive der Liga zu verdanken: In 7 Spielen kassierten die Blau-Weißen nur 2 Gegentreffer. Ganz anders sieht es vorne aus: Nur 8 Treffer schenkte Lohne seinen Gegnern ein. Nicht schön, aber wahnsinnig effektiv. 2 Unentschieden und 5 Siege stehen damit auf dem Konto der Blau-Weißen – 3 Mal spielten sie dabei 1:0. Das Heinz-Dettmer-Stadion wird zum Zuschauer-Magneten. Bereits vergangene Saison ging Platz 2 der Zuschauertabelle an Blau-Weiß Lohne und auch diese Saison sind die Anhänger der Mannschaft ganz vorne mit dabei. Selbst bei Tabellenplatz 1 nach 34 Spieltagen, würde BW Lohne wohl kaum in Liga 3 durchmarschieren, ist der Verein doch gerade erst dabei die Auflagen der Regionalliga zu erfüllen: Der Umbau des Stadions, die Erneuerung der Trainingsplätze und – nicht zu vergessen – der Verkaufsstand für den Gästebereich.

Phönix Lübeck: Verlust der Tabellenführung am Grünen Tisch

5 Mal die 0 gehalten – das ist Liga-Bestwert und hängt mit dem Torhüter des 1. FC Phönix Lübeck zusammen. Carl Leonhard musste in 8 Spielen lediglich 5 Mal hinter sich greifen. Nur Hannover 96 II mussten sich die Lübecker am 2. Spieltag geschlagen geben. Damit hat die Offensive genug Rückenwind, um zu performen. Und genau das tut sie: Mit 25 eigenen Treffern stellt Lübeck die beste Offensive der Liga. Bereits viermal konnten sich Corvin Bock und Vjekoslav Tarita in die Torschützentabelle eintragen. Letzterer kam im Sommer vom Stadtrivalen VfB Lübeck. Die Mannschaft von Trainer Christiano Adigo ist aber nicht nur wegen ihrer sportlichen Leistung in den Schlagzeilen. Am 5. Spieltag siegte Phönix gegen St. Pauli II mit 2:1. Dabei stand mit Michael Kobert jedoch ein Lübecker Spieler auf dem Feld, der nicht spielberechtigt war. Die Kiezkicker protestierten dagegen. Da Lübeck auf einen Einspruch verzichtete, wird das Spiel nun mit 5:0 für die Hamburger gewertet. Die Folge: Phönix verliert nicht nur 3 Zähler, sondern auch die Tabellenführung (an Holstein Kiel II). 

Mitfavoriten

Der FC Teutonia 05 Ottensen reiht sich auf Platz 4 der Tabelle ein. Mit prominenter Verstärkung in der Abwehr von Ex-Bundesliga-Profi Immanuel Höhn will Ottensen etwas gegen die fehlende Konstanz unternehmen. Nach einem krachenden Saisonstart mit 2 Siegen folgte die erste Niederlage gegen Eintracht Norderstedt am 3. Spieltag. Auch dem direkten Konkurrenten Holstein Kiel II musste sich die Mannschaft von Cheftrainer Dominik Glawogger klar geschlagen geben.

Auch an Eintracht Norderstedt führt kein Weg vorbei: Mit Mittelstürmer Kevin Prinz von Anhalt und Rechtsaußen Nick Gutmann hat das Team von Olufemi Smith zwei Knipser, die gemeinsam 10 der 26 Tore für die Eintracht erzielen. Einen Verlust musste Norderstedt in der laufenden Saison verkraften: Linksverteidiger Rico Bork, der jahrelang Leistungsträger gewesen ist, zog es aufgrund eines Jobangebots zurück in seine alte Heimat Oldenburg. 

Einen ganz anderen Saisonstart hat sich wohl der VfB Oldenburg vorgestellt. Nach 8 Spieltagen steht man auf Platz 11 der Tabelle und hat das Saisonziel “Meisterschaft” aus den Augen verloren. Die Konsequenz: Ein Trainerwechsel. Der VfB verpflichtete diese Woche Fuat Kilic, der bereits in der vergangenen Saison den VfB trainierte, im Sommer nach dem Abstieg aus der Dritten Liga jedoch von Benjamin Duda abgelöst wurde. Ob Kilic den VfB zurück an die Spitze führen wird?

Text: David Bauer, Anna-Lena Mark