In unserer neuen Reihe „Der Amateurfußball-Wochenrückblick“ zeigt dir KICK.TV jeden Freitag die aktuellsten Stories, die verrücktesten Spiele und die außergewöhnlichsten Amateurkicker der vergangenen sieben Tage. Bei knapp 25.000 deutschen Fußballvereinen entstehen nämlich Woche für Woche schöne, wie auch kuriose und abenteuerliche Geschichten. Wir blicken zurück auf eine Woche voller Highlights.

2.500 Euro Schmerzensgeld wegen zu lautem Pfiff!

Es ist das Thema, dass diese Woche wohl die größten Wellen geschlagen hat! In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden war ein Schiedsrichter, der im Rahmen einer Kreisliga-Partie einen angeblich zu lauten Pfiff abgab, zu einer Geldstrafe von 2.500 Euro verurteilt worden. Eigentlich wollte Schiedsrichter Pierre Hackler mit dem schrillen Pfiff eine mögliche Rudelbildung verhindern und für Ruhe auf dem Platz sorgen. Ein Spieler, der direkt neben ihm stand, trug davon ernsthafte gesundheitliche Schäden davon. Er leitete rechtliche Schritte ein. Der besagte Pfiff fand bereits 2018 statt und wurde gerichtlich bereits durch 80 Sozialstunden bestraft, die Hackler schon ableistete! Doch 2022 kam nun der zivilrechtliche Prozess. Und der sollte es nochmal so richtig in sich haben. Die zu Beginn verlangten 5000 Euro Schmerzensgeld konnten zwar durch einen gerichtlichen Vergleich halbiert werden, trotzdem ist Hackler bitter enttäuscht vom Ausgang des Prozesses. Er stelle sich nach wie vor die Frage, ob man überhaupt zu laut oder besser angemessen laut pfeifen könne. Denn laut dem erfahrenen Spielleiter sei ein zu lauter Pfiff schon 100.000 Mal vorgekommen, einen Fall wie seinen habe es dabei noch nie gegeben.

Des weiteren war Hackler enttäuscht von der fehlenden Unterstützung des Verbandes, der sich weder schützend vor ihn, noch im Nachhinein symbolisch hinter ihn gestellt habe. Ganz anders dagegen Schiri-Kollege Urs Meier, der sich hinter den Amateurschiri stellt. Wenn eine Rudelbildung vorkommt, muss man als Spielleiter reagieren. „Dass ich da laut pfeife und der Spieler in der Hektik des Gefechts mit seinem Ohr zu nahe an die Pfeife kommt, das kann passieren“, argumentiert der ehemalige Weltklasseschiedsrichter. Schließlich müsse der Verband gewährleisten, dass jedes Wochenende Schiedsrichter auf allen deutschen Amateurplätzen stehen. Und wenn die Schützlinge in solchen Fällen dann komplett alleine gelassen werden, könnte der bereits herrschende Schiedsrichtermangel noch größer werden! Eine kuriose Geschichte, mit bitterem Ausgang für den Kreisliga-Schiri.

VfB Lübeck vermeldet nächsten Transfercoup

Bild1 LAPTOP 5PE7FN0A - Von zu lauten Pfiffen und 17:0-Siegen! | Der Amateurfußball-Wochenrückblick #2
Lübeck bastelt bereits fleißig am Kader für die neue Saison

Der Traditionsverein aus Lübeck scheiterte diese Saison recht deutlich am Aufstieg in die 3. Liga. Im nächsten Jahr will der Verein dem Profifußball jedoch wieder ein gutes Stück näher kommen. Um den Kader für die Mission Aufstieg 2023 fit zu machen, werden viele erfahrene Spieler verpflichtet, die das Team sowohl qualitativ als auch menschlich voranbringen sollen. Zu den Top-Transfers, über die KICK.TV schon berichtet hat, gesellt sich jetzt Kimmo Hovi. Der finnische Mittelstürmer kommt vom Drittligisten Viktoria Berlin und soll die Offensive mit seiner Erfahrung verstärken. Hovi hat bereits einige Spiele in der 3. Liga, sowie Einsätze im spanischen und finnischen Profifußball auf dem Buckel. Außerdem war er schon in 60 Regionalligapartien und 56 Oberligapartien im Einsatz, erzielte dort insgesamt 50 Tore. Damit ist der Finne schon der fünfte VfB-Neuzugang unter der Federführung des neuen Sportvorstands Sebastian Harms, der in Lübeck einiges bewegen will. Wir bleiben dran und begleiten das spannende Projekt des Lübecker Traditionsklubs.

Wenn der Trainer zum Matchwinner wird

Thema in fast jedem deutschen Amateurverein – spätestens seit der Pandemie – ist der Spielermangel! Viele erkrankte Spieler kommen zu den zahlreichen Verletzen hinzu, die vielen Wochenspieltage tragen dazu sicher auch ihren Teil bei. Auch beim westfälischen Landesligisten SV Herbern herrschte diese Woche wieder eine angespannte Personalsituation. Es kam soweit, dass sogar der Trainer, Benjamin Siegert, selbst auflaufen musste. Und das mit stolzen 40 Jahren! Anders als vielleicht erwartet wurde dann aber Siebert selbst zum absoluten Matchwinner. Nach 75 Minuten erreichte den Trainer ein langer Ball und er konnte ihn zum 2:1 ins lange Eck versenken! Auch den ersten Treffer des SVH legte der Trainer auf und wurde somit zum inoffiziellen Man of the Match. Mehr Amateurfußball geht echt nicht!

Ball Netz - Von zu lauten Pfiffen und 17:0-Siegen! | Der Amateurfußball-Wochenrückblick #2

Torregen am Wochenende: Torreiche Partien der letzten Woche!

Am Wochenende mussten die Keeper in den deutschen Amateurligen wieder zahlreich hinter sich greifen. Am häufigsten wohl in den Partien VfR Hangelar III gegen St. Augustin III aus der Kreisliga C6 Sieg und beim Spiel Teutonia Weiden gegen Borussia Brand aus der Kreisliga A Aachen. Dort endeten die Duelle jeweils mit 17:0! Doch für den neutralen Zuschauer bot auch die Begegnung TFC Köln gegen den SC Ossendorf II ein Torfestival. Am Ende stand ein 10:7 für die Reserve der Ossendorfer auf dem Spielbericht. Bei diesen Ergebnissen wird einem Angst und Bange, wenn man gegen solch offensivstarke Teams selbst noch ran muss.

Meister werden und dann nicht aufsteigen dürfen: Ein Alptraum in der Kreisliga A

Stellt euch mal vor, ihr schafft es in die Meisterrunde eurer Liga, spielt dort grandiosen Fußball und steht aktuell auf Platz zwei, der zur Aufstiegsrelegation führt. Ihr habt nur einen Punkt Rückstand auf Platz eins und fünf Siege aus sieben Partien geholt. Das klingt doch ziemlich geil, oder? In der Theorie ja, aber in der Praxis ist das bei der ostwestfälischen SG Marienmünster/Rischenau eine komplizierte Situation. Denn die SG fusionierte erst vor der aktuellen Saison aus zwei bisherigen Vereinen und ist somit nicht aufstiegsberechtigt! Denn das Regelwerk besagt: Eine Spielgemeinschaft muss mindestens drei Jahre bestehen, um in eine höhere Liga aufsteigen zu dürfen. Ein herber Schlag für die Jungs aus Marienmünster. Der Vorstand möchte jetzt erstmal den Verlauf der Meisterrunde abwarten und erst im Falle einer sportlichen Qualifikation für den Aufstieg weitere Schritte prüfen. Also: Weiter Gas geben und dann wird vielleicht doch irgendwie ein Aufstieg möglich sein!

Carl Zeiss Jena meldet zweite Mannschaft ab!

Jena - Von zu lauten Pfiffen und 17:0-Siegen! | Der Amateurfußball-Wochenrückblick #2

Der Traditionsverein aus Jena möchte sich ab der neuen Saison anders aufstellen und finanziell unabhängiger werden. Das Ziel sei außerdem, langfristig zu einem der besten 50 deutschen Vereine zu zählen. Um dieses Ziel zu erreichen wird nun die zweite Mannschaft abgemeldet, um Geld zu sparen und die Nachwuchsspieler schneller an die Profimannschaft heranzuführen. Ein weiterer Grund, die Oberliga-Mannschaft abzumelden, ist der Ausstieg des jahrelang tätigen Investors Roland Duchatelet. Um den Nachwuchstalente nach wie vor eine Chance zu bieten, strebt der Verein in Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen an. So erhofft man sich, den Jugendlichen eine gute Entwicklung zu garantieren und gleichzeitig den Breitensport zu fördern.

Alles neu macht der Mai | Neue Fußballregeln am Rhein

Ab dem Monatswechsel am Sonntag gelten drei Besonderheiten in den Amateurligen am Rhein! Wir haben den Überblick für euch:

1. Punktabzug bei Nichtantritt ab kommender Saison

Wenn eine Mannschaft ab dem ersten Mai in einem Pflichtspiel nicht antritt, bekommt zusätzlich zur Wertung für den Gegner und einer 100-Euro-Strafe noch drei weitere Punkte für die kommende Saison abgezogen. Somit soll verhindert werden, dass Vereine, die sportlich nichts mehr zu gewinnen haben, nicht mehr antreten. Denn mit Minuspunkten in eine Saison starten wird für keinen Verein akzeptabel sein!

2. Rückzüge werden gewertet

Um im Saisonfinale nicht für ein sportliches Durcheinander zu sorgen, werden die Spiele von Mannschaften, die ab dem 1. Mai zurückziehen, trotzdem gewertet. Bis zum 30. April werden alle Begegnungen aus der Wertung genommen, kein Team erhält Punkte oder Tore gegen dieses Team. Doch im neuen Monat werden alle noch anstehenden Spiel mit 2:0 für den Gegner gewertet, um kein allzu großes Chaos zu verursachen.

3. Stichtag 30. April – kein Geschiebe von Spielern mehr

Spieler, die vor dem ersten Mai in einer höheren Mannschaft eingesetzt wurden, werden somit zum Spieler dieser Mannschaft und dürfen nicht mehr in einer unteren Mannschaft eingesetzt werden. Beispielsweise darf ein Spieler, der in der 1. Mannschaft aushelfen musste und erst im Mai wieder in der zweiten Spielen würde, nicht mehr zurück in seine Reservemannschaft! Spieler einer unteren Mannschaft, die nach dem 1. Mai in einer höheren eingesetzt werden, dürfen jedoch weiterhin oben aushelfen, dies auch an aufeinanderfolgenden Tagen, also dienstags zweite Mannschaft und mittwochs dritte Mannschaft. Ganz schön kompliziert…

Bis nächste Woche!

Eine turbulente Woche steht hinter uns! Zu laute Schiedsrichterpfiffe, Meister, die nicht aufsteigen dürfen und Torfestivals. Neben diesen Themen findest du bei KICK.TV noch viele weitere packende Inhalte rund um den Amateurfußball Deutschlands. Die geilsten Hintergrundstorys, spannende Derbys und Pokalkracher findest du hier! Nächste Woche melden wir uns wieder mit den verrücktesten und bewegendsten Themen. Hast du eine geile Geschichte parat? Dann schreib uns doch auf Social Media. Bis dahin eine erfolgreiche und sportliche Woche. Bleibt gesund!