In unserer Reihe „Der Amateurfußball-Wochenrückblick“ zeigt dir KICK.TV jeden Freitag die aktuellsten Stories, die verrücktesten Spiele und die außergewöhnlichsten Amateurkicker der vergangenen sieben Tage. Bei manchmal 90.000 Fußballspielen entstehen nämlich Woche für Woche schöne, wie auch kuriose und abenteuerliche Geschichten. Wir blicken zurück auf eine Woche voller Highlights.

Sensationsneuzugang in der 3. Kreisklasse – Ex-Bundesligaprofi wechselt zum SC Vorwerk Celle II

Konstantin Rausch - Von einem Sensationsneuzugang in der elften Liga und dem ersten Ligator von Trymacs | Der Amateurfußball-Wochenrückblick #9

Einen äußerst prominenten Neuzugang hat die zweite Mannschaft des SC Vorwerk Celle (Niedersachsen) an Land gezogen. Die Rede ist von keinem geringeren als dem ehemaligen Bundesligaprofi Konstantin Rausch. Der 32-Jährige bringt die Erfahrung von fast 250 Bundesliga-Einsätze für Hannover 96, den VfB Stuttgart sowie SV Darmstadt 98 und dem 1. FC Köln mit. Dazu kommen über 30 Europa-League-Einsätze mit Hannover sowie Köln und neun Spiele für die russische Nationalmannschaft.

Bis zu diesem Sommer spielte Rausch noch beim 1. FC Nürnberg in der 2. Bundesliga. Nach vier Kurzeinsätzen in der abgelaufenen Spielzeit wurde der Vertrag nicht verlängert. Nun also der Schritt in die elfte Liga zum SC Vorwerk Celle II. Der Wechsel hat dabei einen familiären Hintergrund: Sein Bruder Alex spielt bei den Niedersachsen. „Schon am Anfang meiner Karriere habe ich gesagt, dass ich mit meinem Bruder noch ein paar Spiele bestreiten möchte, sobald bei mir auf hohem Niveau Schicht im Schacht ist“, so der Ex-Hannoveraner gegenüber der Celleschen Zeitung zu seinem ungewöhnlichen Weg acht Ligen tiefer.  

Aber auch der Körper musste Tribut für die vielen Jahre im Profifußball zollen: „Natürlich hätte man gerne weitergekickt, aber wenn dein Körper dir sagt, du sollst aufhören, sollte man besser darauf hören“, sagte Rausch, der neben seinem Engagement im Amateurfußball parallel einen Trainerlehrgang absolviert. Sein Debüt feierte der gelernte Linksverteidiger bereits am vergangenen Wochenende. Dabei stellte er eindrucksvoll seine Klasse unter Beweis. Beim 10:1-Heimerfolg gegen die dritte Mannschaft des TuS Hermannsburg erzielte der ehemalige russische Nationalspieler vier Tore. Es werden wahrscheinlich nicht die letzten Treffer gewesen sein.

Aus gesundheitlichen Gründen: Thomas Häßler lässt Traineramt beim BFC Preussen ruhen

Thomas Haessler BFC Preussen - Von einem Sensationsneuzugang in der elften Liga und dem ersten Ligator von Trymacs | Der Amateurfußball-Wochenrückblick #9

Erst vor Kurzem erklärte Häßler in einem Interview mit dem Kicker noch, wie wohl er sich beim BFC Preussen fühle. Nun die Schocknachricht: Der Weltmeister von 1990 muss aufgrund von anhaltenden gesundheitlichen Problemen seinen Trainerposten beim Berliner Traditionsverein ruhen lassen. Bereits Mitte August litt der 56-Jährige bei einer Kabinenansprache unter Gedächtnisverlust und wusste nicht mehr, was er seiner Mannschaft sagen wollte. „Alle haben natürlich sofort gemerkt, dass da etwas nicht stimmt. Als der Chef-Trainer plötzlich verstummte, herrschte eine bedrückende Stille in der Kabine. Eine kurze Schockstarre. Alle haben mitgelitten und keiner wusste, was da los ist“, so Co-Trainer und Ex-Bundesligaprofi Thorben Marx gegenüber der Bild.

Nun also die offizielle Entscheidung des Vereins, nachdem Häßler bereits bei den letzten beiden Spielen nicht an der Seitenlinie stand. Ein Rausschmiss ist dies natürlich nicht, wie Pierre Seifert, der sportliche Leiter des BFC Preussen, sofort klarstellte: „Wir entlassen ihn nicht. Thomas wird immer ein Preusse bleiben.“ Die bisherigen medizinischen Untersuchungen haben keinen Aufschluss über die Situation geben können. Der Verein hofft jedenfalls auf eine baldige Rückkehr. „Wir hoffen hier alle, dass er so schnell wie möglich zurückkehren kann“, so Seiffert.

Der erste Auswärtssieg für den SSV Hardstuck inklusive Tor und Nackt-Jubel von Trymacs

Nach dem ersten Pflichtspielerfolg in der vergangenen Woche durfte der SSV Hardstuck, die Mannschaft von Twitch-Star Maximilian „Trymacs“ Stemmler, auch zum ersten Mal auswärts drei Punkte mit nach Hause nehmen. Am vierten Spieltag der Kreisklasse B in Hamburg gewann der SSV gegen die dritte Mannschaft des SV West-Eimsbüttel mit 6:3.

Unter den Torschützen war auch der Mannschaftsgründer selbst zu finden. Stemmler verwandelte in der 77. Minute einen Strafstoß gekonnt in die linke untere Ecke. Für den bekannten deutschen Streamer war es das erste Ligator, das er im Anschluss daran mit einem verrückten Oben-Ohne-Jubel feierte. Falls du die Highlights dieser Partie inklusive des Treffers von Trymacs verpasst haben solltest, kannst du dies nachfolgend tun.

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Seinen Jubel kündigte der 28-Jährige zuvor in einem Stream an, mit folgender durchaus außergewöhnlichen Begründung: „Es hat noch nie jemand ein Tor geschossen, sein Trikot ausgezogen und war dann einfach fett.“ Die Aktion scheint sich gelohnt zu haben, denn der Clip verbreitete sich in Windeseile auf allen Social-Media-Plattformen. Die Gelbe Karte vom Schiedsrichter gab es dennoch. Für den SSV Hardstuck geht es bereits an diesem Sonntag mit dem nächsten Auswärtsspiel gegen die zweite Mannschaft des TSV Stellingen weiter – womöglich mit dem dritten Sieg in Folge.

Provokationen und Beleidigungen überschatten den zweiten Saisonerfolg von Delay Sports

Der zweite Sieg im zweiten Spiel – besser hätte Delay Sports nicht in die erste Spielzeit der Vereinsgeschichte starten können. Am vergangenen Sonntag siegte die Mannschaft rund um die Vereinsgründer Elias „Eligella“ Nerlich und Sidney „SidneyEweka“ Friede mit 2:1 auswärts gegen den FC Grunewald. Während Nerlich aufgrund seiner Verletzung nur an der Seitenlinie aktiv war, erzielte Ex-Profi Friede in der 77. Minute den 2:1-Siegtreffer für seine Mannschaft. Es war bereits das dritte Saisontor für den ehemaligen Herthaner.

Elias Nerlich Sidne Friede Delay Sports - Von einem Sensationsneuzugang in der elften Liga und dem ersten Ligator von Trymacs | Der Amateurfußball-Wochenrückblick #9
Von der virtuellen Welt in die Realität: Elias „Eligella“ Nerlich und Ex-Profi Sidney Friede haben gemeinsam den Berliner Fußballverein Delay Sports gegründet

Überschattet wurde die Begegnung jedoch laut Nerlich von unzähligen Beleidigungen und Provokationen. Die Spieler des FC Grunewald hatten es laut dem Streamer vor allem auf Friede abgesehen, der seine Karriere als Profifußballer aufgrund von einer Verletzung beenden musste. „So etwas geht meiner Meinung nach gar nicht“, so der 24-Jährige, der ebenfalls von dauerhaften Provokationen seitens der Trainerbank des Gegnerteams sprach: „Die haben keine Vorbildfunktion, sondern waren meiner Meinung nach Witzfiguren, die provozieren und anheizen.“

Dass solche Aussagen nicht ohne Konsequenzen bleiben, zeigte sich sehr schnell auf dem Instagram-Profil des FC Grunewald. Innerhalb kürzester Zeit wurden über 300 Hass-Kommentare unter das letzte Bild der Grunewalder gepostet. Der Verein musste daraufhin das Profil auf privat stellen. Auch die Google-Bewertungen blieben von den Fans nicht verschont.

Der Kreisligist selbst wollte sich nicht zu den Vorfällen äußern, dafür tat dies aber der Schiedsrichter, der von einem normalen Kreisligaspiel mit leicht erhitzten Gemütern sprach. Zu dem gab er zu Protokoll, dass sich auch die Influencer-Mannschaft nicht immer fair verhalten habe. So seien vermehrt Betreuer und Ersatzspieler von Delay Sports auf das Feld gelaufen.

Im Zug dieses Vorfalls meldete sich auch der Berliner Fußball-Verband (BFV) zu Wort, der unter anderem auch Nerlich in die Pflicht nahm: „Eli muss seine Follower auch ein bisschen erziehen und auf sie einwirken“, so Malte Schruth, Präsidialmitglied Innovation, Vereins- und Verbandsentwicklung und Qualifizierung beim Verband. Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Delay Sports für Aufsehen im Berliner Amateurfußball gesorgt hat.

Der bekannteste Linienrichter Deutschlands

Oliver Ruhnert Linienrichter - Von einem Sensationsneuzugang in der elften Liga und dem ersten Ligator von Trymacs | Der Amateurfußball-Wochenrückblick #9

Was macht der Geschäftsführer eines Bundesligisten in seiner Freizeit? Genau, er ist als Linienrichter tätig. Bei der Oberligapartie am vergangenen Wochenende zwischen der zweiten Mannschaft von Preußen Münster und den Sportfreunden Siegen war das bekannteste Gesicht nicht etwa ein Spieler oder Trainer, sondern der Schiedsrichterassistent. Oliver Ruhnert, seines Zeichens Geschäftsführer von Bundesligist Union Berlin, war bei der Begegnung als Linienrichter aktiv.

Ein Einzelfall ist dies jedoch nicht. Der 50-Jährige ist bereits seit Jahren als leidenschaftlicher Amateurfußball-Schiedsrichter für den BSV Lendringsen aus dem sauerländischen Menden im Einsatz. In der Oberliga agiert er fast ausschließlich als Linienrichter. In der Kreisliga hat er jedoch schon das ein oder andere Spiel als Hauptschiedsrichter geleitet. Eine Nebentätigkeit der anderen Sorte, die seine Verbundenheit zum Amateurfußball zeigt. Für seinen Einsatz am Wochenende erhielt Ruhnert übrigens, wie in der Liga üblich, eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Euro.

Solidarisierungsaktion der Schiedsrichter im Kreis Hildesheim

In der vorletzten Ausgabe unseres Amateurfußball-Wochenrückblicks haben wir über die brutale Attacke auf einen Unparteiischen in Hildesheim berichtet, bei der Schiedsrichter Geoffrey May von einem Spieler niedergeschlagen und im Gesicht verletzt wurde. Es war ein Vorfall, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. Dem Täter droht mittlerweile eine Anklage wegen Körperverletzung.

Knapp zwei Wochen später steht der Verband weiterhin unter Schock. Deshalb gab es am vergangenen Wochenende eine Solidarisierungsaktion für May, bei der jede Partie auf Kreisebene eine Viertelstunde später angepfiffen wurde. „Damit alle Spieler, Zuschauer und Vereinsfunktionäre noch einmal über die Ereignisse nachdenken können“, sagte Kreisschiedsrichter-Obmann Marcin Kuczera der Hildesheimer Allgemeinen.

May, dem es mittlerweile wieder besser geht und der auch weiterhin als Schiedsrichter aktiv sein möchte, war bei einem Spiel mit dabei und zeigte sich überrascht: „“Ich wusste gar nichts von der Solidaritätsaktion. Ich finde es aber gut, dass die Schiedsrichter es gemacht haben.“ Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Signal auch bei allen Spielern ankommt und sich ein solcher Vorfall nicht mehr wiederholt.

Bis nächste Woche!

Eine ereignisreiche Woche mit einem Sensationsneuzugang in der elften Liga, dem ersten Ligator von Trymacs samt ausgefallenem Nackt-Jubel sowie einer Solidarisierungsaktion in Hildesheim liegt hinter uns. Falls du mehr rund um den Amateurfußball erfahren möchtest, bist du hier an der richtigen Adresse! Von exklusiven Hintergrundberichten über spannende Spielzusammenfassungen bis hin zu packenden Derbys und Pokalkrachern. Bei KICK.TV findest du echte Emotionen, echten Fußball und vor allem echte Fans! Auch in der kommenden Woche melden wir uns wieder mit dem Amateurfußball-Wochenrückblick der etwas anderen Sorte. Hast du eine spannende, lustige oder kuriose Geschichte auf Lager? Dann schreib uns gerne auf Social Media. Bis dahin eine erfolgreiche und sportliche Woche.