Traditionsreichen Fußball findet man in Hamburg nicht nur im Volkspark oder auf dem Kiez. Auch Altona 93 dürfte vielen deutschen Fußballfans mittlerweile ein Begriff sein. Mit einem altehrwürdigen Stadion, einer treuen Fanszene und viel Herz machte sich der Klub auch über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen. Sportlich grüßt aktuell aber wieder mal das Murmeltier. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga Nord vor der Pandemie steht man nun kurz vor dem Wiederabstieg in die Oberliga. Das Szenario ist den Altonaern nicht unbekannt. Der Noch-Regionalligist pendelt nun seit sechs Jahren zwischen Viert- und Fünftklassigkeit. Zu gut für die Oberliga, zu schlecht für die Regionalliga? Wir schauen auf die Gründe für die erneut gescheiterte Mission Klassenerhalt, die Berg- und Talfahrten des Klubs der letzten Jahre und zeigen, was den Verein so besonders macht.

Sechs Punkte Rückstand auf das eventuell rettende Ufer: Steht der Abstieg schon fest?

Die Regionalligasaison 2021/22 wird abermals eine negative Erfahrung für Altona werden. Nach dem Wiederaufstieg letztes Jahr droht jetzt der direkte Wiederabstieg. Das Team von Andreas Bergmann befindet sich aktuell auf Platz neun der Regionalliga Nord Abstiegsrunde, bis zum rettenden Ufer sind es sechs Punkte. Doch ob Platz sechs wirklich das rettende Ufer ist, bleibt weiterhin fraglich. Da aus der 3. Liga voraussichtlich nur der TSV Havelse absteigt, würde es bei fünf Absteigern bleiben. Erwischt es eine weitere Mannschaft aus sportlichen oder lizenzrechtlichen Gründen könnten es auch noch mehr Teams erwischen. Außerdem muss abgewartet werden, ob der Meister der Regionalliga Nord das Entscheidungsduell gegen den Nord-Ost-Meister gewinnt. Im Falle einer Niederlage würde die Mannschaft in der Liga bleiben. Rein rechnerisch ist noch alles möglich, dafür müsste die Konkurrenz aber etliche Male stolpern und Punkte liegenlassen. Abgestiegen ist Altona 93 noch nicht, aber es scheint fast so gut wie sicher.

Aufstieg, Abstieg, Aufstieg, Abstieg

210px Altona 93 Wappen - Altona 93: Das Pendel zwischen Regionalliga und Oberliga

Kaum ein Verein im Norden Deutschlands gilt als so unbeständig wie Altona 93. Seit dem Abstieg in die Oberliga 2010 war der Verein dort Stammgast, entwickelte sich und schaffte 2017 den Sprung zurück in die Regionalliga. Doch die Euphorie war schnell vorbei. Nach nur einer Saison ging es wieder eine Etage tiefer. Postwendend gelang der Wiederaufstieg 2019, allerdings kämpft der Klub jetzt erneut gegen den Abstieg zurück in die fünfte Liga! Altona muss beständiger werden! Doch ganz von vorn:

Tradition seit 1893 – und damit einer der ältesten deutschen Klubs

Der Verein wurde bereits 1893! gegründet, damals noch mit einer Cricket-Abteilung. Diese wurde jedoch schnell ausgelagert und es entstand ein reiner Fußballklub. Dieser spielt seit 2002 in der Oberliga, die damals noch drittklassig war. Die Saison 2008/09 sollte die vorerst letzte Regionalliga-Saison bleiben. Der Klub war sowohl sportlich als auch wirtschaftlich abgestiegen, erhielt keine Lizenz für die neue Saison. Im Anschluss folgten viele Jahre Oberligafußball. Mal war man ganz nah am Aufstieg, mal nur Mittelmaß.

Die Glanzzeit des Altona Fußball-Clubs von 1893, wie der Verein mit vollem Namen heißt, war unmittelbar vor dem ersten Weltkrieg. Zwischen 1898 und 1903 wurde man fünfmal Hamburger Fußballmeister. 1914 gelang sogar der Einzug ins Viertfinale der deutschen Meisterschaft! Bis 1945 hielt sich Altona in der höchsten Spielklasse Hamburgs (Gauliga Nordmark bzw. Hamburg). Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs etablierte man sich in der neuen Oberliga Nord, der man bis zur Bundesliga-Gründung 1963 angehörte. Anschließend folgten weniger erfolgreiche Jahre. Lange war man in der Regionalliga Nord unterwegs, ehe man 1984 in den lokalen Amateurligen versank. 1996 schnupperten die Altonaer noch eine Saison Regionalliga-Luft, bevor man sich aufgrund von finanziellen Problemen in die Verbandsliga zurückzog. Seit 2002 ist man zurück in der Oberliga und seither nicht mehr tiefer abgerutscht!

Die Adolf-Jäger-Kampfbahn

1280px Adolf Jaeger Kampfbahn 26DEC2005 - Altona 93: Das Pendel zwischen Regionalliga und Oberliga
Kultsportstätte in Hamburg: Die Adolf-Jäger-Kampfbahn

Der Verein ist einer der ältesten Deutschlands und verfügt zusätzlich auch über eines der kultigsten Stadien Hamburgs! Die Adolf-Jäger-Kampfbahn wurde 1908 eröffnet und nach dem ehemaligen Altona-Stürmer Adolf Jäger benannt, der zwischen 1907 und 1927 für die Hamburger auf Torejagd ging. Den Zuschauerrekord stellte man, wie könnte es anders sein, in einem Derby gegen den HSV auf. Damals kamen 27.000 Fans ins Stadion! Einzig in der Spielzeit 2008/09 spielten die Altonaer ihre Heimspiele nicht in der AJK, da in einem Ausweichstadion die Anforderungen für die Regionalliga einfacher umzusetzen waren. Seit dem Wiederabstieg bestreitet man jedoch wieder alle Partien an der Kampfbahn.

2018 gab es allerdings eine Hiobsbotschaft für alle Fußballromantiker und Fans des AFC. Bis zum 31. Dezember 2026 soll die ruhmreiche Spielstätte, die 8.000 Plätze fasst, abgerissen werden. Dann werden der Altonaer Spar- und Bauverein (Altoba) und die die Behrendt Grundstücke KG dort 300 Wohnungen bauen. Verkauft wurde das Stadion bereits 2007 für 11,25 Millionen Euro. 2027 folgt, Stand jetzt, der Umzug ins neue „Regionalligastadion des Westens“.

Außergewöhnliche Fangruppen, unterteilt in drei Lager

Die Fanszene im Stadion ist sehr ungewöhnlich, sie unterteilt sich in drei Lager. In der sogenannten „Meckerecke“ findet man traditionelle AFC-Fans, die auch mal den HSV in Heimspielen unterstützen. Auf dem „Zeckenhügel“ jubeln die „Hügelpunks“, die auch mit einer selbstgebauten Spieltafel aufwarten. Hauptsächlich sind dort Anhänger der Ottenser Punk- und Bauwagenszene anzutreffen. Das letzte Lager besteht aus ehemaligen St. Pauli-Anhängern, die die Kommerzialisierung des Vereins ablehnen und nun eine neue Heimat bei Altona 93 gefunden haben.

2022 droht der erneute Abstieg

Wie anfangs erwähnt, kämpft der AFC auch in dieser Saison erneut gegen den Abstieg. In der Abstiegsrunde der Regionalliga Nord steht man aktuell auf einem Abstiegsplatz, ein Nichtabstiegsplatz wurde in dieser Runde noch nie erreicht. Alle Zeichen stehen auf Rückkehr in die Oberliga, in der sich der Verein bestens auskennt. Dort gehört man regelmäßig zu den Spitzenteams, spielt immer um den Aufstieg mit. Doch in der Regionalliga scheinen diese Leistungen vergessen, der AFC konnte sich seit der Jahrtausendwende nicht eine reguläre Saison (zweimal wurde die Saison abgebrochen und kein Team stieg ab) in der vierten deutschen Spielklasse halten!

In der laufenden Spielzeit sprangen in 17 Spielen nicht mehr als zwei Siege heraus, negativer Bestwert der Liga! Im letzten wichtigen Spiel gegen Konkurrent Lünebürger Sportklub Hansa konnte man immerhin einen Punkt holen. Vereinzelt kam es in der Saison auch zu kleinen Sensationen, so entführte man bei Drochtersen/Assel am 20. Spieltag der Regionalliga Nord einen Punkt gegen ein Top-Team! Keeper Lorenzen sagte gegenüber KICK.TV damals:“ Wir haben die Anlagen, gegen jedes Team dieser Liga zu bestehen“. Umsetzen konnte dies Altona nur selten. Im Verbandspokal hingegen sammelte der AFC nochmal Mut für die letzten ausstehenden Spieltage der Abstiegsrunde, dort steht man im Halbfinale und geht sogar als Favorit ins Duell gegen Landesligist Hansa 11. Sollte der Klassenerhalt also nicht gelingen, besteht immerhin im Pokal die Möglichkeit, die Saison doch noch positiv zu beenden und vielleicht sogar im DFB-Pokal mitzumischen!

Unbenannt - Altona 93: Das Pendel zwischen Regionalliga und Oberliga
Seit 2020 leitet Andreas Bergmann die Geschicke an der Seitenlinie

Restprogramm von Altona 93

Um sich noch Chancen auf den Klassenerhalt zu sichern, kommt es auf die letzten drei ausstehenden Spiele an. Altona spielt noch gegen den Tabellenvierten SSV Jeddeloh (14.05) und Tabellenfünften BSV Rehden (8.05). Erst im letzten Spiel könnte es nochmal ganz entscheidend werden, wenn es gegen den ebenfalls abstiegsbedrohten FC Oberneuland (22.5) geht. Neben den entscheidenden Ligaspielen steht noch das Halbfinale im Pokal gegen Landesligist Hansa 11 am 4.05 an! Mit dem Einzug ins Finale könnte der Hamburger Verein nochmal Selbstvertrauen sammeln um vielleicht doch noch den Verbleib in der Regionalliga zu schaffen! Es wäre eine Premiere.

Der AFC bei KICK.TV

Um nicht zu verpassen, ob Altona doch noch das Wunder schafft, bleibt mit KICK.TV dran! Wir halten dich auf dem Laufenden und zeigen dir die besten und wichtigsten Spiele der Hamburger. Zusätzlich bieten wir die geilsten Spiele aus dem Hamburger Fußball, egal ob Spitzenspiele, Pokalkrimis oder die heißesten Derbys! Auch über die Stadtgrenzen hinaus sind wir zur Stelle. Die spannendsten Spiele, die größten Traditionsvereine und die coolsten Stories siehst du bei uns. Das ist KICK.TV, die Videoplattform für den echten Fußball.