Mittwochabend gegen 21 Uhr war es offiziell. Der ehemalige Bundesligaverein und Ex-Klub des Weltmeisters Kevin Großkreutz KFC Uerdingen verliert im Nachholspiel gegen den Wuppertaler SV und steigt damit schon vorläufig aus der Regionalliga West ab! Ein Genickbruch für die Mannschaft, die so ambitioniert in die neue Saison gestartet war. Doch wie konnte ein ehemaliger Bundesligaverein, der vor zwei Jahren noch drittklassig spielte, so weit abstürzen? Wir blicken zurück auf die erfolgreiche Vergangenheit des Klubs und wie es zum endgültigen Abstieg in den Amateurfußball kommen konnte.

Der KFC wollte viel und bekam gar nichts

Nach dem Aufstieg 2016/17 in die Regionalliga und dem Durchmarsch in die dritte Liga, war vielen in Uerdingen klar: Wir sind zurück! Zurück im Profifußball und zurück wo wir hingehören. Doch den erneuten Aufstieg in Liga zwei, der als klares Ziel galt, verpasste der KFC deutlich. Es kam sogar ganz anders. Saison um Saison verschlechterte sich das Team und stieg zum Ende der Saison 20/21 aus der dritten Liga erneut in die Regionalliga West ab. Aus der Traum von der 2. Bundesliga! Doch auch mit dem Verbleib in der Regionalliga wurde es nichts. Nachdem der Verein aufgrund der hohen Schulden bereits mit 9 Minuspunkten vor Saisonbeginn bestraft wurde, stimmten auch die Leistungen während der Runde nicht. Uerdingen steigt zum Ende der Saison 21/22 erneut ab, deutlich. Vier Spieltage vor Ende der Saison hat man bereits 13 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Doch ganz von vorn:

Aufstieg und direkter Wiederabstieg – und das fast im Jahresrhytmus

1905 gegründet, konnte sich der Verein, der früher noch FC Bayer Uerdingen hieß, ab 1970 mittelfristig im deutschen Spitzenfußball etablieren. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga 1975 folgte allerdings der direkte Wiederabstieg. Als Zweitligist wurde der DFB-Pokal zum Lieblingswettbewerb der Uerdinger, dort erreichten sie zwischendurch sogar das Halbfinale. Im Jahr 1979 stieg der Verein erneut auf, 1981 wieder ab. Doch zwei Jahre später begann die wohl sportlich erfolgreichste Zeit in Uerdingen!

DFB-Pokalsieger KFC Uerdingen

Nach dem Aufstieg 1983 in die Bundesliga konnte die Klasse souverän gehalten werden. Im Folgejahr gewann man sogar den DFB-Pokal – und das gegen niemand geringeren als den FC Bayern München! Auch in der Bundesliga wurden die Uerdinger am Ende sensationeller Dritter. Dies sollte jedoch erstmal der sportliche Höhepunkt bleiben. In den kommenden Jahren wechselte oftmals der Trainer und nach einigen Auf- und Abstiegen trennte sich der Hauptsponsor und Namensgeber, die Bayer AG, vom Verein. Durch den Ausstieg des Pharmaunternehmens gelangte der Klub zu seinem heutigen Namen: KFC Uerdingen 05. Das Team fiel jedoch schnell in die Drittklassigkeit ab, musste aufgrund von Verstößen gegen Lizenzauflagen 2005 sogar in der vierten Liga antreten.

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Seit 1971 trägt der KFC Uerdingen hier seine Heimspiele aus: Die Grotenburg-Kampfbahn

Neustart 2005/2006 – nun ist die Regionalliga das Ziel

Nach diesem tiefen Absturz wurde der Verein ohne Hauptsponsor komplett neu formiert, der Aufstieg blieb trotzdem unerreicht. In der Saison 2007/08 wurde das Ziel ausgerufen, sich für die neue dreigleisige Regionalliga zu qualifizieren, da sonst der Abstieg in die fünfte Liga drohte. Doch nach schwachen Saisonleistungen kam es im Spätsommer 2007 zu Konflikten innerhalb der Vereinsführung, woraufhin viele Vorstandsmitglieder den Verein verließen. Auch die finanziellen Probleme wurde der Klub nicht los. Im Winter 2007 stellte der KFC zum dritten Mal seit der Jahrtausendwende einen Insolvenzantrag. Zwar konnte der Verein die Insolvenz mithilfe der vielen treuen Fans abwenden, der sportliche Erfolg jedoch blieb weiterhin aus und der Abstieg in die sechste Liga, die Niederrheinliga, war nicht mehr abzuwenden.

Im Aufschwung kommt sogar ein Weltmeister nach Uerdingen

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Ex-Weltmeister Kevin Großkreutz sollte daran mitwirken den KFC wieder im Profifußball zu etablieren.

Nach etwas erfolgreicheren Jahren und dem Wiederaufstieg in den Profifußball 2018, schien es wieder Berg auf zu gehen. Auch prominente Spieler, wie etwa Weltmeister Kevin Großkreutz, schlossen sich dem KFC an. Viele Spiele vom ehemaligen Linksverteidiger der Nationalelf beim KFC Uerdingen hat KICK.TV euch damals gezeigt. Allerdings waren die finanziellen Probleme abermals Grund für ein eingeleitetes Insolvenzverfahren. Mit dem Ausstieg des Hauptsponsors verließen auch alle Spieler den Verein. Gerade noch rechtzeitig konnten überhaupt genug Spieler aufgetrieben werden, um in die Saison 2021/2022 starten zu dürfen. Erneut wurde die Mannschaft nun neu aufgebaut und das Insolvenzverfahren im Januar 2022 endgültig für beendet erklärt. Der KFC schaffte es rechtzeitig genug, einen Kader auf die Beine zu stellen und die Welt sah seit langem wieder in Ordnung aus.

18 Trainerwechsel in sieben Jahren – 2022 folgt dennoch der endgültige Absturz in den Amateurfußball

Der Verein KFC Uerdingen hat in seiner jüngsten Vergangenheit viele wirtschaftliche und sportliche Rückschläge hinnehmen müssen. Unstimmigkeiten in der Vereinsführung, falsche finanzielle Entscheidungen und das oftmalige Aussteigen von Sponsoren waren die Kernprobleme. Diese internen Schwierigkeiten gingen auch sportlich nicht spurlos am KFC vorbei. Oftmals wurden die sportlichen Misserfolge den jeweiligen Trainern zugeschrieben, so wechselte zwischen 2015 und 2022 ganze 18 Mal der Verantwortliche an der Seitenlinie. Doch egal welcher Trainer das Team coachte, sie alle konnten den Verein nicht wieder im Profifußball etablieren und an die vergangenen Tage anknüpfen. Der neue Tiefpunkt ist nun der Abstieg aus der Regionalliga West, der durch das 0:2 beim Wuppertaler SV feststeht.

Zwar war in den letzten Wochen wieder ein positiver Trend zu erkennen, der KFC holte 11 Punkte in den vergangenen acht Partien. Unter anderem konnte man in Ahlen ein Unentschieden mitnehmen und viele Fans hofften auf ein Wunder, jedoch wurden vor allem zu Saisonbeginn zu viele Punkte liegengelassen. Zudem stellten die Uerdinger mit 82 Gegentoren die mit Abstand schlechteste Abwehr der Liga. Tiefpunkt war ein 0:11 beim aktuellen Spitzenreiter Rot-Weiss Essen! Nach der jüngsten Niederlage gegen Wuppertal resümierte Trainer Voigt: „Wir haben heute hochverdient verloren. Das liegt einfach daran, dass wir gegen Mannschaften aus dem oberen Bereich, gegen die Top-Fünf nicht mithalten können, dafür haben wir nicht den Kader.“

Etablierung im Profifußball? Endgültig gescheitert!

Somit fällt der KFC zurück in Liga fünf, muss sich sportlich neu erfinden und den Tiefschlag erstmal verarbeiten. Viele glaubten daran, wieder eine Rolle im deutschen Spitzensport zu spielen. Doch die Regionalligasaison zeigte, dass der KFC in dieser Konstellation dazu nicht taugt. Zukünftig soll der Verein wieder durch stärkere Jugendarbeit und langfristige und vor Allem realistische Zielsetzung geprägt werden. Dazu soll die Jugendabteilung des SC Bayer 05 Uerdingen nun mit dem KFC zusammengelegt werden. Es geht jetzt darum, den Verein mittelfristig zu stabilisieren, sich sportlich zu entwickeln und einen tatsächlichen Neuanfang in der fünften Liga zu schaffen. Keiner schreit mehr nach der zweiten Liga, viele Fans wollen lieber attraktiven Fußball sehen und nicht jedes Jahr eine Achterbahnfahrt der Gefühle erleben. Denn treue Fans hat der Verein noch immer, das Kellerduell am kommenden Samstag zurück an alter Sportstätte in Krefeld ist, trotz des feststehenden Abstiegs, restlos ausverkauft!

Der KFC Uerdingen bei KICK.TV

Die vielen sportlichen Highlights, wie den Sieg im Niederrheinpokal 2019, als auch die bitteren Niederlagen im Abstiegskampf findest du bei KICK.TV. Dort siehst du außerdem spannende Spielerporträts von ehemaligen Uerdinger Stars wie Kevin Großkreutz oder Ex-Profi Mohamadou Idrissou. Doch neben dem KFC Uerdingen findest du auch weitere Traditionsvereine bei uns! Und natürlich auch deinen Dorfverein von nebenan. Wir bieten dir alles, was der Amateurfußball zu zeigen hat! KICK.TV, die Videoplattform für den echten Fußball.